Die tägliche Portion Wahnsinn

Da wir heute Besuch von lieben Freunden bekommen, waren mein Mann und ich 
gestern in Sachen Großeinkauf unterwegs. Eigentlich gehen wir meistens einmal die
Woche am Donnerstag zum Einkaufen. Ich finde es einfach furchtbar jeden Tag in
den Supermarkt zu rennen um mich dort in das Gewühl zu stürzen, nur um dann nach
Hause zu eilen und auch noch kochen zu müssen.Na mit kochen habe ich sowieso
nicht soviel am Hut. Muss ich auch nicht, da mein Mann unter anderem auch Koch
ist. Ihr merkt es schon, Kochrezepte wird es auf meinem Blog nicht geben. Ich
lasse kochen! Jedenfalls waren wir froh wieder zu Hause zu sein. Denn Einkaufen
kann ganz schön anstrengend sein, wie die folgende Geschichte beweist. Es ist
eine Kurzgeschichte über einen Einkauf den ich vor einigen Jahren genau so erlebt
und nieder geschrieben habe.


Der Einkauf

Es steht wieder einmal der wöchentliche Großeinkauf an. Bewaffnet mit meinem
Rentnerbuggy und einen Rucksack mache ich mich auf den Weg. Nach zehn Minuten
Fußweg bin ich am Discounter angelangt. Die erste Hürde, die ich zu bewältigen
habe, ist die, einen geeigneten Einkaufswagen zu ergattern. Denn einige von ihnen
haben keinen Haken, an dem ich meinen Rentnerbuggy anhängen kann. Und draußen
einfach stehen lassen, geht schon gar nicht. Da solch ein „Gefährt“ heiß begehrt
ist. Nachdem ich das Objekt meiner Begierde ausfindig gemacht habe, muss ich noch
den passenden Chip in meiner Jackentasche finden. Ich trage meistens drei bis
vier von diesen Teilen mit mir herum, da nicht jeder Chip für jeden Einkaufswagen
geeignet ist. Als ich auch das geschafft habe, kann ich mich und meinen Wagen
durch das Drehkreuz zwängen. Danach stelle ich mich erst einmal an die Seite und
hole meinen Einkaufszettel und die Brille heraus.

Nun kann es endlich losgehen.

Als Erstes folge ich dem Gang und bleibe hin und wieder stehen, um die von mir
benötigten Waren in meinen Einkaufswagen zu legen. Während dieser Zeit bemerke
ich aus dem Augenwinkel heraus, einen älteren Herren. Dieser Herr scheint mich zu
verfolgen. Immer auf gleicher Höhe mit mir. Bleibe ich stehen, bleibt auch er
stehen. Nun gut, der Gang führt nun einmal nur geradeaus, wo soll er also hin,
denke ich. Doch ich fühle mich belästigt, und es macht mich nervös. Also rette
ich mich durch einen taktisch gut überlegten Schachzug. Gleich kommt nämlich ein
Abzweig. Ich laufe also weiter, und tue so, als ob ich geradeaus weiter gehen
will, bleibe dann ruckartig stehen und reiße meinen Einkaufswagen nach rechts in
den Gang. Geschafft! Der Herr konnte, ich nehme an aufgrund seines Alters, nicht
so schnell reagieren, und ich bin ihn erst einmal los. Zwar ist meine strategisch
gut ausgeklügelte Einkaufsroute erheblich durcheinandergeraten, aber damit muss
ich jetzt leben. Auf geht es zu den Kartoffeln! Gerade betrachte ich ein Netz mit
wunderbar geformten Exemplaren, da vernehme ich neben mir eine hysterische
Stimme. „Halt, das sind meine Kartoffeln!“ Erschrocken lasse ich das Netz fallen
und schaue, woher die Stimme kommt. Neben mir steht ein gebrechliches kleines
„Mütterchen“, mit einer Brille auf der Nase, dessen Gläser an den Boden von
Colaflaschen erinnern. Ihre Augen, die riesig durch die Brillengläser wirken,
funkeln mich wütend an. „Nur weil ich schlecht sehen kann, müssen sie nicht
glauben, dass ich es nicht mitbekomme, dass Sie mich betrügen wollen.“
Ich bin so perplex, dass ich mir schleunigst ein neues Netz Kartoffeln schnappe,
und zu sehe, dass ich verschwinde.

Ein Blick auf meinen Einkaufszettel und ich steuere auf meine nächste Station zu. Die Frischwursttheke! Dort angekommen freue ich mich, dass nur zwei Leute vor mir sind. Ich stelle mich an und warte bis ich an der Reihe bin. Der Herr, der als Erster in der Reihe steht, ist gerade fertig und nun kommt die Dame vor mir dran. „Ich hätte gerne 800gr Rindergulasch,
500gr.Schweinebraten und 500gr. Hackfleisch“, gibt sie ihre Bestellung auf. Die
Verkäuferin wiegt alles ab und packt es ein. Doch da fällt der Frau plötzlich
etwas ein, „Sind die Sachen auch von einem Biofleischer?“ „Sie stammen aus einem
kontrollierten Landwirtschaftsbetrieb“, antwortet die Verkäuferin. „Aber kein
Bio“, fragt die Dame. „Nein“ „Ach wissen Sie dann möchte ich das Fleisch nicht“,
gesagt und schon dreht sie sich die Dame um und geht. Die Verkäuferin, die nun
stinksauer ist, lässt ihre Wut an mich aus. Doch ich bin ganz souverän und werfe
ihr nur einen eisigen Blick zu. Dieser lässt allerdings die gefühlte
Raumtemperatur um -10 Grad abkühlen. Nachdem ich alles bekommen habe, mache ich
mich auf den Weg zur Kasse und stelle mich brav an.

Als ich an der Reihe bin, packe ich meine Waren auf das Förderband. Packen? Nun ich werfe es mehr, als das ich es ordentlich hinlege. Anscheinend bin ich an eine Marathon erprobte
Kassiererin geraten. Sie scannt meine Ware schneller, als ich sie auspacken kann
und wartet mit eisiger Miene darauf, dass  auch meine restliche Ware endlich auf
dem Förderband landet.
Geschafft, ich werfe das letzte Brotpaket auf das Förderband und flitze nach
vorne, um die Waren wieder zurück in meinen Einkaufswagen zu packen. Da zischt
mich die Kassiererin an: „Na dann können wir ja endlich weiter machen‘. Mit
meinem allerliebsten Lächeln im Gesicht zische ich zurück:“Ich bin beim Einkaufen
und nicht auf der Flucht“. Danach packe ich betont langsam meine Ware in den
Wagen, bezahle und gehe fröhlich pfeifend aus den Laden. 
Schließlich habe ich alle Zeit dieser Welt.

Fühlt ihr euch auch manchmal von den superschnellen Kassiererinnen genervt und
wie sieht eure Strategie gegen nervige Marathonkassiererinnen aus?

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